CIVIS Medienpreis setzt Zeichen gegen Rassismus – Bezirk Hamburg-Mitte setzt derweil Zeichen von Desinteresse.

Pressemitteilung
21.05.2021

Der CIVIS Medienpreis wurde in der Kategorie „Podcast“ an die Produktion „Hamburg 1980 – Als der rechte Terror wieder aufflammte“ an Minh Thu Tran und Vanessa Vu verliehen. Zusätzlich erhielten Tran und Vu auch den Top Award. Der Podcast thematisiert den rechtsterroristischen Mordanschlag in der Hamburger Halskestraße 1980, bei dem Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân ermordet wurden.
Die Initiative in Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân beglückwünscht Minh Thu Tran und Vanessa Vu zu der Auszeichnung mit dem renommierten CIVIS Medienpreis. Die prämierte Podcastfolge entstand anlässlich des 40. Todestages von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân und in enger Kooperation mit der Initiative.

„Vanessa Vu und Minh Thu Tran haben aus Eigeninitiative und komplett ehrenamtlich einen emotional berührenden wie journalistisch hervorragend produzierten Podcast über die Geschichte und Bedeutung des Mordes an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân produziert. Das Preisgeld spenden sie komplett der Mutter von Đỗ Anh Lân. Diesem vorbildlichen Engagement stehen aktuell die Hamburger Politik und Verwaltung mit leeren Händen gegenüber.“, kommentiert Linh Müller von der Initiative in Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân.

Nach vierjährigen Engagement der Gedenkinitiative beschloss die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte im Sommer 2019 die Umbenennung eines Teilstücks der Halskestraße, die Umbenennung der Bushaltestelle sowie Unterstützung bei der Schaffung einer Gedenkstätte. Bis zum heutigen Tag folgten vor Ort jedoch keine nennenswerten Taten. Da sich bereits 2020 abzeichnete, dass die Schaffung eines Gedenkortes in der Billbrooker Halskestraße schleppend voran geht, entscheid sich die Initiative mit Mitteln des Bezirks Mitte einen Gedenkort auf dem Öjendorfer Friedhof zu errichten. Hier sind die beiden Opfer begraben, ihre Gräber jedoch aufgelöst. Dies sollte eigentlich der Bezirkspolitik mehr Zeit einräumen, die Halskestraße umzubenennen.

„Nach langem Ringen konnten wir eine Ortsbegehung durchführen. Vor Ort wurde erneut bekräftigt, dass gar keine Zuständigkeit bestünde und alle Fachanfragen und Anträge in der Verantwortung der Initiative läge. Damit wird das politisch notwendige Gedenken und Erinnern in überschaubare Verwaltungskomplexität verschoben und den Opfern ein Denkmal faktisch verweigert.“, teilt Linh Müller von der Initiative ihre Verzweiflung.

Derweil gehen in Hamburg-Nord die Vorbereitungen für das Gedenken an den 1985 ermordeten Mehmet Kaymakci mit großen Schritten voran. Die Fraktionen stockten Anfang Mai die Fördersumme für die neu zu schaffende Gedenkstätte auf, damit diese bis zum Todestag im Juli fertiggestellt ist.

„Während im Bezirk Nord ein politischer Wille erkennbar ist, scheint Herr Droßmann gedanklich eher schon den Umzug nach Berlin zu planen. Wir wünschen uns, dass er sich ein Beispiel an den Bezirkskollegen nimmt und auch im Bezirk Mitte ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus setzt und den Beschluss der Bezirksversammlung auch umsetzt“ fordert Linh Müller von der Initiative.

Pressemeldung der ARD zur Preisverleihung
Civis Medienpreis

SharePics für Social Media
Teilt und linkt diesen Beitrag gern mit diesen Bildern

Insta

Story

Twitter

Abstimmen für Châu und Lân beim Civis Podcast Preis


Wir sind unglaublich glücklich und stolz: Der Podcast von Minh Thu Tran und Vanessa Vu über die Geschichte von Châu und Lân wurde nominiert für den Civis Podcastpreis! Bis zum 25. April kann online abgestimmt werden. Wir freuen uns über jede Stimme für die tolle Arbeit von Rice&Shine, durch welche die Geschichte von Châu und Lân einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird.

Hier geht es zur Abstimmung

Über 250 Menschen gedenken dem 40. Todestag von Châu und Lân

Wir sind überwältigt und begeistert von Eurer und Ihrer großen Anteilnahme am 40. Todestag von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân. Über 250 Menschen haben sich am gestrigen 22. August in der Halskestraße versammelt und haben gemeinsam Châu und Lân gedacht. Neben Überlebenden und Angehörigen sprachen auch der Politkwissenschaftler Dr. Kien Nghi Ha, der Überlebende des rassistischen Brandanschlags von Mölln, Ibrahim Arslan, die Witwe des NSU-Opfers Atilla Özer, Candan Özer, sowie die Gründerin der NGO „Cap Anamur“, Christel Neudeck, welche die Flucht tausender vietnamesischer Boat People ermöglichte. Alle zeigten ihre Anteilnahme und Unterstützung für die Schaffung eines Gedenkortes.

Wir werden in Kürze einige Redebeiträge, Aufnahmen und Bilder der Gedenkveranstaltung online stellen. Schaut gern in der nächsten Zeit häufiger hier vorbei.
Neben einem Bericht zur Einweihung des Gedenkortes auf dem Friedhof Öjendorf wird in Zukunft hier auch eine Webdoku zur Verfügung stehen.

Ein Denkmal zum Hören

Ziel unserer Initiative war immer, dass den Geschichten der Opfer und Betroffenen Gehör und Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Ziel eines Denkmals für Châu und Lân ist, dass die Geschichte der beiden jungen Menschen weitererzählt wird. Unsere Freundinnen Vanessa Vu, Minh Thu Tran und Linh Tran vom Rice and Shine Podcast haben diesem Wunsch einen neuen Raum gegeben. In ihrer hier verlinkten Podcastfolge haben sie Đỗ Mui, die Mutter Anh Lâns einen Ort gegeben die Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen. Daneben berichten Thị Kim Thoa und Thởi Trọng Ngũ sowie von Gisela und Heribert von Goldammer über den Anschlag auf Châu und Lân.

Zum Podcast

Die Produktion hat viel Zeit und damit auch Geld gekostet. Bitte unterstützt das Team von Rice and Shine.
Monatlich: steady.fm/riceandshine
Einmalig: paypal.me/riceandshinepodcast

Rechtsterrorist*innen agieren mit gesellschaftlichen Rückhalt

Der 40. Jahrestag des Mordes an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân ist für uns auch Anlass sich Gedanken über Zusammenhänge und Kontinuität zwischen Rassismus, Rechtsterrorismus und Gesellschaft zu machen. Dazu haben wir gemeinsam mit unseren Freund*innen von NSU Watch eine Podcast Folge produziert, in dem wir das Täternetzwerk und die gesellschaftlichen Kontexte genauer analysieren.

Zum Podcast

Pressemitteilung zur Gedenkveranstaltung

40. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags in der Halskestraße

Über 250 Menschen gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân und fordern einen Gedenkort am Tatort

Anlässlich des 40. Jahrestages des Brandanschlags auf ein Wohnheim in Billwerder-Moorfleet forderte die Initiative in Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân heute die zügige Umsetzung der von der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte im vorigen Jahr beschlossenen Maßnahmen. Sie sehen einen Gedenkort mit Informations- und Erinnerungstafeln vor sowie die Umbenennung der Halskestraße in Châu-und-Lân-Straße und die Umbenennung der dortigen Bushaltestelle. Bis heute erinnert nichts an den rassistischen Mord.
„Die Umbenennung der Halskestrasse wäre ein sinnstiftender Beitrag zur antirassistischen Umgestaltung und Dekolonialisierung deutscher Stadt- und Alltagskultur“, so der Politikwissenschaftler Kien Nghi Ha, der auf der Kundgebung eine Rede hielt. Er habe aber den Eindruck, dass „in der angeblich so weltoffenen Hansestadt für die Opfer des Rassismus enge bürokratische Toleranzgrenzen und sprachliche Reinheitsgebote des Eurozentrismus gelten“.

Mit Mund-Nasen-Schutz, Abstand, einer Schweigeminute und einer buddhistischen Gebetszeremonie gedachten rund 250 Kundgebungsteilnehmer sowie Angehörige, Überlebende des Anschlages, Freunde und Freundinnen an die beiden ermordeten jungen Männern Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân. Sie wurden zu Opfern eines rassistischen Anschlags der Deutschen Aktionsgruppen. Die rechtsextreme Terrorgruppe hatte am 22. August 1980 Brandsätze in eine Unterkunft von Geflüchteten in der Halskestraße 72 geworfen und eine rassistische Parole an die Wand geschmiert. Sie trafen das Zimmer von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân, welche wenig später den Brandverletzungen erlagen. Die beiden jungen Männer waren erst wenige Wochen zuvor aus Vietnam nach Hamburg geflohen.

Erinnern und öffentliches Trauern seien wichtige Formen des politischen Protestes, so die Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân. Mit Blick auf die rechtsextremen Anschläge in den letzten Monaten und Jahren warnte sie vor einer Entpolitisierung, Verharmlosung und Vertuschung der Hintergründe rechter Morde und Anschläge. „Die Taten müssen vollständig aufgeklärt und dringend notwendige Konsequenzen in Politik, bei den Geheimdiensten, der Polizei und den weiteren Ermittlungsbehörden gezogen werden“, so ein Sprecher. Wichtig sei zudem ein würdevolles, von den Hinterbliebenden selbst gestaltetes Gedenken und Erinnern im öffentlichen Raum und Entschädigung.

Presseschau: Artikel in der Jungle World

Die Jungle World berichtet über Châu und Lân und unsere Initiative:

Vor 40 Jahren ermordeten Nazis zwei Menschen in einem Hamburger Flüchtlingsheim

Gedenken mit Sondernutzungserlaubnis

Vor 40 Jahren ermordeten Mitglieder des rechtsextremen Terror­netzwerks »Deutsche Aktionsgruppen« zwei Menschen in einem Hamburger Flüchtlingsheim. Es waren nicht die einzigen Verbrechen dieser Art im Jahr 1980.
Von Anke Schwarzer

Es war anders geplant: Zum 40. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags auf ein Flüchtlingswohnheim in der Hamburger Halskestraße sollte endlich eine feste Gedenktafel am Tatort stehen. Doch auf der Kundgebung am Samstag wird die Initiative für ein Gedenken an Nguyen Ngoc Châu und Đo Anh Lân voraussichtlich wieder nur eine provisorische Tafel aufstellen können. Obwohl die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte bereits Mitte 2019 einen entsprechenden Beschluss gefasst habe, scheitere das Aufstellen der Informations- und Gedenktafeln am bürokratischen Dickicht von Eigentumsfragen und Sondernutzungserlaubnissen, so die Gruppe, in der sich Überlebende des Anschlags, Zeitzeugen, Bekannte der beiden Opfer und Personen aus antirassistischen und antifaschistischen Gruppen engagieren.

Der Beschluss der Bezirksversammlung, ein Teilstück der Halskestraße in Châu-und-Lân-Straße, sowie entsprechend auch die dortige Bushaltestelle, umzubenennen, wurde ebenfalls noch nicht verwirklicht. Immerhin soll es in wenigen Wochen einen Gedenkort auf dem Öjendorfer Friedhof geben. Dort waren der 22jährige Nguyen Ngoc Châu und der 18jährige Đo Anh Lân beerdigt worden, ihre Gräber wurden jedoch vor Jahren aufgelöst, ohne dass die Angehörigen informiert worden wären

weiterlesen

40. Jahrestag – Gedenkkundgebung am 22. August 2020

Am 22. August 1980 warfen Mitglieder der terroristischen Neonazi-vereinigung “Deutsche Aktionsgruppen“ Brandsätze durch ein Fenster der Geflüchtetenunterkunft in der Halskestraße in Hamburg-Billbrook. Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân starben bei dem Anschlag.
Es waren die ersten dokumentierten rassistischen Morde in der BRD. Weitere folgten seitdem: Mindestens 250 Menschen wurden bis heute von Rassist_innen ermordet.
Die letzte erschreckende Tat ist der Anschlag von Hanau im Frühjahr dieses Jahres.
Anlässlich des 40. Jahrestages des Brandanschlages von 1980 werden wir den beiden Ermordeten mit einer Kundgebung vor der damaligen Geflüchtetenunterkunft gedenken.
Wie auch in den vergangenen Jahren wollen wir unseren Forderungen nach einem würdigen Gedenken an Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu Nachdruck verleihen und Euch von aktuellen Entwicklungen und den ersten Erfolgen unserer Bemühungen berichten. Das Gedenken wird mit einer Schweigeminute und einem buddhistischen Gebet abgeschlossen. Blumen sind erwünscht.

Kundgebung am 22. August 2020 in der Halskestraße 72 in Hamburg um 16.00 Uhr